Mein Wecker geht um 04.00 Uhr los. Es regnet ziemlich fest, wobei die Aussichten für Frankreich keinen Regen vorhersagen. Das schlechte Wetter hier beeinträchtigt meine Stimmung somit nicht sonderlich. Ich prüfe nochmals mein Gepäck. Nicht allzugenau, wie sich später noch herausstellen sollte. Mein Schwiegervater holt mich mit dem Auto um 05.30 Uhr ab. Er muss sowieso zur Frühschicht und so passte es. «Alles dabei?», fragt er. «Ja, klar», sage ich. Rucksack in den Kofferraum und los. Gedanklich prüfe ich nochmals meine Gepäckstücke. Billet? Ja, dabei. Aber ein Halbes. Halbtax dabei? Nein. Mist. Nochmals retour. Wir haben genügend Zeit. Trotzdem bin ich genervt.

Mein Zug steht schon auf dem Perron, als ich um ca. 04.50 am Bahnhof eintreffe. Die Läden sind noch geschlossen, somit keine Gipfeli oder sonst etwas. SMS von meinem Wanderkollegen, dass er auch bereits auf den Beinen sei. Der vereinbarte Weckanruf entfällt somit. 05.11 Uhr fährt der Zug los. Für mich eine ungewohnte Zeit zum Bahnfahren. Ich stelle fest, dass um diese Zeit spezielle Klientel Bahn fährt. Den Zug von St. Gallen nach Zürich bevölkern am Samstagmorgen primär betrunkene Jugendliche (die der Zugbegleiter augenscheinlich kennt und an den richtigen Haltestellen mit Rütteln und Rufen weckt und diese so noch rechtzeitig aussteigen können) und äusserst mitteilungsfreudige Flugreisende mit übergrossen Koffern, die die Gänge versperren. Mein Sitznachbar, ein pensionierter Kranführer, berichtet vom Betonieren, dem richtigen Austarieren eines grossen Auslegerkrans und zahlreichen Operationen und Spitalaufenthalten infolge kaputtem Knie und Hüfte.

«Wagen 6, nach bzw. vor dem Speisewagen, je nach Fahrtrichtung». So mein SMS an meinen Kollegen. 06.30 in Zürich. Mein Kollege findet mich auf Anhieb. Die von mir kurzfristig georderten Brötchen hat er dabei. Bis nach Genf bleibt der Zug sehr gut gefüllt. Ich möchte meine Chance im ICE nutzen und mein Mobiltelefon laden. Das falsche Ladekabel in meinem Gepäck (für mein anderes, neueres iPhone) vereitelt meine Pläne. Unser Plan in Lyon ein Ladekabel zu kaufen wo wir 30 Minuten Aufenthalt haben. In Genf laufen wir gefühlten zehn Kilometer um vom Schweizer Teil des Bahnhofs in den Französischen zu gelangen. Der TRE nach Lyon steht da. Während mein Kollege die letzten Minuten vor der Abfahrt für eine Zigarette nutzt, suche ich uns in den alten «Gängliwagen» ein 6er-Abteil. Ein junge Frau sitzt schon drin. Ich frage ob frei ist und setze mich dazu. Sie kommt aus Marseille, studiert in Genf Ingenieurwissenschaften und fährt für ein paar Tage zu Freunden nach Lyon. Die Fahrt ist lang aber kurzweilig. In Lyon am Gare Part-Dieu suchen wir einen Elektronikladen wegen eines Ladegeräts und finden sofort einen. Die ersten 21 Euro sind ausgegeben. In einer Bar kauft sich mein Kollege ein Bier zum Mitnehmen.

Wir steigen in den Dieseltriebwagen nach Le Puy-en-Velay. Dass TGV auf der Strecke Vortritt haben führt dazu, dass wir ein paar mal länger stehen. Ein verlotterter Provinzbahnhof reiht sich an den nächsten. Die elektronische Laufschrift im Wagen zeigt 12 Stationen nach Le puy. Nach einer Stunde halten wir das erste Mal an. Die Zeit scheint stehen zu bleiben. Die zwei (!) Zugbegleiter verbringen ihre Zeit zwischen den Stationen auf Sesseln in der ersten Klasse. Mit 20 Minuten Verspätung kommen wir um 15.00 Uhr in Le puy an.

Am Bahnhof in Le Puy
Am Bahnhof in Le Puy

Es ist bewölkt und windig. Wir verlieren keine Zeit. Einkaufen müssen wir nichts. Unsere Wanderkarte führt uns schnell aus der Stadt heraus und bergauf. Die rote Marienstatue von Le-Puy hinter uns wird immer kleiner. Ein Schild weist uns darauf hin, dass der GR 700 wegen Bauarbeiten an der RN88 (eine neue Umfahrung von Le Puy-en-Velay wie ich später recherchierte) gesperrt sei. Unsere Französischkenntnisse liessen nicht zu zu erkennen, ob auch von einer Umleitung die Rede ist. Wir gingen mangels Alternativen trotzdem weiter. Nach der ersten kleineren Siedlung treffen wir auf einen Bauzaun auf der Strasse. Wie schon offenbar viele andere umgehen wir die Sperre auf einem Trampelpfad. Die riesige Baustelle ist unbelebt. Weil Samstag ist? Wir überqueren das Gelände und finden bald auf unseren Pfad zurück. Dieser ist schmal, zugewachsen und mit runden grossen Steinen ausgelegt.

Ziel-Orangina/-Bier

In Coubon überqueren wir die Loire. In einem kleinen Restaurant gibt es das erste Orangina für mich und Bier für meinen Freund. Hier gibt es einen Campingplatz. Es ist aber noch sehr früh und die Etappe morgen würde sehr lange werden, wenn wir schon hier übernachten würden. Beschluss noch 6-7 km weiter zu gehen und uns ein schönes Plätzchen zu suchen. Wir finden kurz vor einem Wald auf der linken Seites des Hügels auf einer Kuhweide einen Platz. Unsere Zelte stellen wir etwas hinter dem Kamm auf, so dass sie vom Weg her nicht einsehbar waren. Zu Essen Salami und Brot. Um 20.00 Uhr sind wir im Zelt.

Weiter mit Tag 2.

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