*wie doppeldeutig 🙂
Gestern Abend hat jemand gefragt, wann wir denn aufbrechen würden und ich habe gemerkt, dass es nur noch 4 Wochen sind. Genauer gesagt, sind wir am Samstag in vier Wochen schon seit einem Tag unterwegs. Schockschwerenot!
In den letzten Wochen hatte ich viel zu tun, war krank und habe keine weiteren Trainings absolviert. Das heisst, dass ich an den nächsten Wochenenden unbedingt nochmals laufen sollte so dass meine Beine etwas angewärmt sind und ich den grossen Rucksack auch mal getragen habe. Und mein Kalender sagt, dass es eben genau noch zwei Wochenenden sind, wo das möglich ist. Am anderen bin ich am Arbeiten. Ok, ruhig Blut. Wir gehen ja nicht 6 Monate nach Kanada.
Meine Lektüre war und ist indes passend: Meine Frau hat mir «Ich bin dann mal weg» von Hape Kerkeling geschenkt. Natürlich von einem sarkastischen Lächeln unterbreitet. Das Buch habe ich in ein paar Tagen verschlungen. Ich fand es witzig. Kerkeling ist wirklich geistreich, humorvoll und gebildet. Seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg sind im wahrsten Sinne unglaublich. Die Jakobsweg-Pilgerwanderung ist in der Ausführung (Hotels/Herbergen statt Camping, Restaurants statt draussen kochen) nicht mit dem Vogesen-Trip oder gar dem AT zu vergleichen. Die Beweggründe für das Wandern der portraitierten Personen decken sich jedoch mit den meinen durchaus.
Vor ein paar Tagen habe ich einem AT-Blog das ich verfolge (ich glaube es war ichgehdannmalvongeorgiabismaine.wordpress.com) in einem Kommentar gelesen, dass derzeit das Buch «A Walk in the Woods: Rediscovering America on the Appalachian Trail» (dt. Picknick mit Bären) von Bill Bryson mit Robert Redford und Nick Nolte verfilmt wird und dass an Stellen auf dem AT gedreht würde. Obwohl ich schon dutzende Male von dem Buch gehört hatte, hatte ich es nicht gekauft. Das holte ich dann nach und vorgestern traf es ein. Ich habe es allerdings die deutsche Ausgabe bestellt. In den ersten 40 Seiten führt Bryson in allen Details aus, welche Gefahren (wilde Tiere, giftige Pflanzen, tödliche Krankheiten und Psychopathen mit Pistolen) auf dem AT drohen und wie hoch das Risiko ist einer dieser zum Opfer zu fallen. Die Ausführungen über Attacken von Schwarzbären und wie man sich bei einer Begegnung mit ihnen verhalten sollen, sind wirklich beunruhigen. Offenbar hatte der Autor wirklich Schiss vor Bären. Nun, ich habe jedenfalls in den letzten zwei Jahren in keinem Blog oder Artikel über den AT von einer Sichtung geschweige denn von einer Attacke eines Schwarzbären gelesen. Ich bin jedenfalls gespannt auf den Rest des Buches.
Die Erkenntnisse aus der Lektüre verschiedener Blogs von AT-2014-(Thru) Hikern lassen mich inzwischen zweifeln, ob ein klassischer No-Bo-Thru Hike überhaupt das Richtige für mich wäre. Mal wieder abgesehen davon, dass es im Moment aus anderen Gründen, überhaupt nicht in Frage kommt. Als ich letzten Herbst meinem jetzigen Vogesen-Wanderkollegen von meine AT-Traum berichtet hatte, meinte er nach etwa dreissig Minuten intensiven Zuhörens, dass ihn die Vorstellung, dass am 1. April 2000 Hiker mit einem Kommando ihre Wanderung starten, nicht wirklich begeisterte. Mir geht es inzwischen ähnlich. In den ersten Woche sind der Trail, die Shelter, die Hotels, die Unterkünfte überlaufen. Und es sieht so aus, als würde das in den nächsten Jahren nicht besser werden. Ich kann mir lebhaft vorstellen, welchen Run auf den AT die Veröffentlichung des oben erwähnte Films auslösen wird.
Zurück zu den Tatsachen. Der AT ist für mich in den nächsten Jahren kein Thema. Dann, wenn er wieder ein Thema sein könnte ist der Film vergessen und alle die vom Kino direkt zu Outdoor-Laden gelaufen sind, haben den Versuch hinter sich, sitzen wieder auf dem Sofa und der Trail liegt einsam im feuchten Wald. Für mich bliebe indes auch die Möglichkeit eines So-Bo.